Mittwoch der 10. Woche im Jahreskreis

2 Kor 3,4-11; Ps 99,4b-5.6-7.8-9; Mt 5,17-19

2 Kor 3
4 Wir haben durch Christus so großes Vertrauen zu Gott.
5 Doch sind wir dazu nicht von uns aus fähig, als ob wir uns selbst etwas zuschreiben könnten; unsere Befähigung stammt vielmehr von Gott.
6 Er hat uns fähig gemacht, Diener des Neuen Bundes zu sein, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.
7 Wenn aber schon der Dienst des Todes, dessen Buchstaben in Stein gemeißelt waren, so herrlich war, dass die Israeliten das Gesicht des Mose nicht anschauen konnten, weil es eine Herrlichkeit ausstrahlte, die doch vergänglich war,
8 wie sollte da der Dienst des Geistes nicht viel herrlicher sein?
9 Denn wenn schon der Dienst der Verurteilung herrlich war, so ist der Dienst der Gerechtigkeit noch viel herrlicher.
10 Eigentlich ist das Verherrlichte nämlich in diesem Fall gar nicht verherrlicht angesichts der überragenden Herrlichkeit.
11 Wenn nämlich schon das Vergängliche in Herrlichkeit erschien: Die Herrlichkeit des Bleibenden wird es überstrahlen.

In der ersten Lesung hören wir heute wieder einen Abschnitt aus dem zweiten Korintherbrief. Dabei ist das Thema der Dienst im Alten und im Neuen Bund. Paulus erklärt wie so oft den Unterschied und zugleich den tieferen Sinn des Neuen Bundes. Die Begriffe „Alter Bund“ sowie „Neuer Bund“ sind nicht einfach verbunden mit dem jeweiligen Testament, das aufgeschrieben worden ist, sondern hat zutiefst etwas mit Liturgie bzw. Opfer zu tun. Ein Bund geht immer mit einer Opferhandlung einher.
Zu Beginn kommt eine allgemeine Aussage, die Paulus primär auf den Apostelkreis bezieht, aber den wir grundsätzlich auf uns alle übertragen können: Durch Christus können wir ganz starkes Gottvertrauen haben, denn Gott selbst hat uns bewiesen, wie treu er ist. Er hat uns den Messias geschenkt, sich selbst dargebracht, um uns alle zu retten. Wo gibt es ein vertrauteres Verhältnis als in der eigenen Familie? Weil wir in der Taufe zu Kindern Gottes gemacht werden, dürfen wir Gott unseren Vater nennen, dem wir alles anvertrauen können. Christus ist Mittler dieses Neuen Bundes, den wir in der Taufe eingehen.
Dass wir in diese Familienbande treten, haben wir uns nicht selbst gemacht. Wir können uns nicht selbst erlösen. Es ist uns geschenkt worden. Paulus bezieht die Befähigung vor allem auf das Dienen der Apostel. Auch die sakramentale Weihe kann sich keiner selbst spenden, sondern Gott bevollmächtigt seine Diener, sodass sie alles vollbringen können, was Christus ihnen aufgetragen hat. Es geht vor allem um die Sakramente und Sakramentalien.
Die Apostel sind Diener des Neuen Bundes, der nicht mehr ein Dienst des Buchstabens, sondern des Geistes ist. Was heißt das? Was bedeutet auch der nächste Satz, in dem es heißt: „Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“ ? Bisher bestand die Kultpraxis des Alten Bundes darin, nach dem Buchstaben zu handeln, das heißt nach dem, was die Torah vorschreibt. Es geht ja auch im folgenden Vers um die Buchstaben, die in Stein gemeißelt sind. Wir haben die Buchstaben vor uns, die in die Steintafeln des Sinai hineingeschrieben sind. Es war noch keine Praxis, bei der durch das Wirken des Hl. Geistes eine eucharistische Wandlung geschieht oder generell der Hl. Geist etwas bewirkt. Es ist vielmehr ein treues Erfüllen der Torah. Und die äußere Form von Opferhandlungen an sich ist natürlich nichts Schlechtes. Die Diener des Alten Bundes haben umgesetzt, was Gott selbst dem Mose angeordnet hat. Doch was sich nun ändert, ist die ganz andere Dimension von Opferhandlungen des Neuen Bundes. Die äußere Form wird teilweise ja übernommen, was uns zeigt, dass das Alte nicht einfach verworfen wird. Es mündet vielmehr in die Erfüllung durch Jesus Christus. Die Diener des Neuen Bundes richten sich nicht mehr nach dem Buchstaben der Torah, sondern nach dem fleischgewordenen Wort Gottes, Jesus Christus! Durch das Wirken des Hl. Geistes wird sein ultimatives Opfer vergegenwärtigt. Durch die Kraft des Hl. Geistes werden auch die anderen Sakramente und Sakramentalien wirksam.
Das Problem ist nun: Wenn man nach der Gabe des Hl. Geistes und nach dem neuen Bundesschluss weiterhin am alten festhält, wenn man nicht den Hl. Geist wirken lässt, dann tötet es. Nicht die Buchstabentreue kann das ewige Leben verleihen, sondern die Taufgnade, die der Hl. Geist erwirkt. Wäre dem nicht so, warum ist Gott Mensch geworden und hat uns erlöst? Das hätte es ja nicht gebraucht. Aber der Geist macht nun mal lebendig und so ist der Neue Bund unbedingt notwendig geworden für unsere Erlösung.
Das Alte ist aber nicht plötzlich widergöttlich. Es war zu einer bestimmten Zeit in der Heilsgeschichte richtig und wichtig. Es war ja so herrlich, dass sogar die Menschen des Alten Bundes Gottes Herrlichkeit durch wunderbare Manifestationen sehen konnten. Einige durften ja sogar ein wenig Gott schauen. Um wie viel mehr schauen aber die Diener des Geistes die Herrlichkeit Gottes! Und nicht nur sie, sondern wir alle, die wir der Hl. Messe beiwohnen dürfen. Wir alle dürfen mit eigenen Augen die eucharistischen Gaben anschauen, manchmal nimmt Gott ja sogar den Schleier von den Gaben, indem er eucharistische Wunder wirkt! Und auch das ist nicht das Ende, sondern wir werden von Gottes Herrlichkeit in der Ewigkeit überwältigt werden. Wir werden ihn auch nicht mehr durch den sakramentalen Schleier schauen, sondern ganz so wie er ist. Es gibt bei den Kirchenvätern oft das Bild von Schatten und Spiegelbild. Während der Kult des Alten Bundes ein Schatten der himmlischen Liturgie darstellt, ist der Kult des Neuen Bundes ein Spiegelbild des himmlischen Gottesdienstes. Am Original werden wir in der Ewigkeit teilnehmen.

Ps 99
4 Du bist es, der die Ordnung gegründet hat. Recht und Gerechtigkeit in Jakob hast du bewirkt.
5 Erhebt den HERRN, unsern Gott, werft euch nieder am Schemel seiner Füße! Er ist heilig!
6 Mose und Aaron sind unter seinen Priestern, Samuel unter denen, die seinen Namen anrufen. Sie riefen zum HERRN und er gab ihnen Antwort.
7 Aus der Wolkensäule sprach er zu ihnen, sie hielten seine Gebote und die Satzung, die er ihnen gegeben.
8 HERR, unser Gott, du gabst ihnen Antwort./ Du warst ihnen ein vergebender Gott, doch ihre Vergehen hast du vergolten.
9 Erhebt den HERRN, unsern Gott, werft euch nieder an seinem heiligen Berg! Denn der HERR, unser Gott, ist heilig!

Als Antwort preisen wir Gott mit dem Psalm, der überschrieben ist mit „Der heilige Gott auf dem Zion“. Ja, seine Gegenwart ist auf dem Zion, wo nämlich der Tempel in Jerusalem erbaut ist. Dort bei der Bundeslade ist Gott gegenwärtig. Seine Schechina wohnt im Tempel. Und doch lässt er sich ja nicht vollständig dort nieder. Es ist eine andere Art von Gegenwart wie bei der Realpräsenz Christi in der Eucharistie. In dieser nimmt Gottes Gegenwart neue Dimensionen an.
Gottes Herrlichkeit kommt vielleicht nieder auf den Tempel, doch seine Wohnung wird auch in den Psalmen im Himmel verortet. Es herrscht die Vorstellung vor, dass die Erde bzw. das irdische Heiligtum den Schemel seiner Füße darstellt. An diesem treten die Diener des Alten Bundes heran. Sie bringen Opfer dar zu seinen Füßen, was natürlich bildlich zu verstehen ist. Gott ist Geist und nicht als Menschengestalt zu verstehen. Er ist der ganz Andere, was auch durch den Begriff der Heiligkeit umschrieben wird. Im Alten Bund ist es das Maximum an Gottesnähe, in das Allerheiligste zu treten, um Opfer darzubringen und im Gebet Gott zu loben und zu preisen, Bitten an ihn zu richten, ihm alles anzuvertrauen. Die vertraute Beziehung zwischen Gott und Mensch wird am Beispiel wichtiger Heilsgestalten ausgefaltet: Mose und Aaron, Samuel, sie alle mit Gott Zwiesprache gehalten. Sie haben stellvertretend für das Volk Anliegen zu Gott gebracht und sind erhört worden. Gott hat sich vor dem Bau des Tempels, ja noch vor dem Bau des Offenbarungszeltes manifestiert in d er Wolkensäule, auch schon zuvor im brennenden Dornbusch und auf dem Berg kam er herab mit einem lauten Gewitter, dass die Menschen es mit der Angst zu tun bekamen. Was wir hier verstehen, ist: Gott offenbart sich den Menschen. Inmitten der Begegnung gibt er Gebote und Satzungen, nicht unbeteiligt und unpersönlich, sondern mitten in der innigen Gottesbegegnung. So ist es umso mehr mit Christus. Aus der innigen Gemeinschaft mit ihm heraus halten wir seine Gebote, die wiederum keine neuen sind, sondern die Erfüllung der alten Gebote! Mit Christus ist all dies, was im Alten Bund geschah, nicht hinfällig geworden, sondern intensiviert sowie zum Abschluss gekommen: Die Vertrautheit einzelner Heilsgestalten im Alten Bund ist nun ausgeweitet auf uns alle. Wir dürfen zum Vater kommen und vertrauensvoll bitten. Jesus hat uns das Vaterunser beigebracht. Gottes Vergebung ist schon einzelnen Menschen im Alten Bund zuteilgeworden, doch sie nimmt mit der Taufe ganz neue Dimensionen an. Wir werden ganz rein gewaschen von unserer Schuld wie zuvor kein anderer Mensch! Uns ist der Zugang zum Vater wiederhergestellt worden – wiederum durch die Kraft des Hl. Geistes, nicht mehr durch Buchstabentreue. Diese konnte noch nie einen Menschen vor Gott rechtfertigen. Wäre dem so, wären die Gerechten des Alten Bundes direkt dorthin gekommen und Jesus hätte es nicht benötigt. Gottes Gegenwart ist ganz real und fassbar in jeder katholischen Kirche auf der Erde. Es ist nicht mehr „nur“ Gottes Schechina, seine Herrlichkeit, die auf unsere Kirchen herabkommt, sondern Gott selbst ist leibhaftig da. Er ist nicht mehr nur auf dem Hl. Zionsberg anwesend, dort nicht einmal mehr wegen des zerstörten Tempels, sondern seine Gegenwart ist weltweit ausgeweitet. Überall wo Christus in der Eucharistie angebetet wird, ist Gottes heilige Wohnung! Überall wo das Messopfer dargebracht wird, ist Zion! Und in der Ewigkeit werden wir das himmlische Zion betreten, das bleibt. Es ist die heilige Stadt, die schon in der Johannesoffenbarung beschrieben wird.

Mt 5
17 Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu
erfüllen.
18 Amen, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein Häkchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.
19 Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

Wir hörten bisher schon viel von der Torah Gottes, vom Alten Bund, von Gottes Herrlichkeit im Tempel. Jesus ist nicht gekommen, um all das über den Haufen zu werfen, sondern um es zu erfüllen. Dies wird im Evangelium jetzt noch deutlicher ausgesagt als in der Lesung: Wir hören davon, dass die Gebote Gottes unter keinen Umständen abgeschafft werden dürfen. Eine klare Ansage für uns Christen heute, die demokratisch über diese Gebote abstimmen möchten…
Jesus sagt: „Bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein Häkchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein.“ Das Jota ist im griechischen Alphabet der kleinste Buchstabe, deshalb wird er hier genannt (übrigens auch im Hebräischen, Iod). Auch Häkchen sind kleine, aber nicht zu unterschätzende Elemente der griechischen Sprache. Jesus schärft auch uns Christen heute ein, das Gesetz nicht zu verändern. Auch die unscheinbaren Gebote, die scheinbar wenig Gewicht besitzen, sollen ernst genommen werden. Denn wer in kleinen Dingen nicht mal treu sein kann, wie will er oder sie es in den großen Dingen sein? Jesus sagt das nicht, weil er eine Buchstabentreue nach pharisäischer Manier unterstützt. Er tut es, weil das der Kern von Liebe ist – sie ist radikal im positiven Sinne – sie geht aufs Ganze. Wenn ich jemanden liebe, gehe ich aufs Ganze. Die Gebote, die Jesus hier intensiviert, sind ja gegeben inmitten der innigen Gottesbegegnung. Und auch jetzt ist es ein Schauen Gottes von Angesicht zu Angesicht, als Jesus die Menschen bei der Bergpredigt unterweist! Es geht um Treue zu Gott, der uns die Gebote anvertraut, vergleichbar mit der Ehe. Da stehe ich eines Tages am Traualtar und verspreche die ewige Treue in guten und in schlechten Zeiten, nehme den Ehepartner ganz an mit allen Stärken und Schwächen, ohne wenn und aber. Dabei ist die Ehe ja ein Abbild der Liebe Gottes, die er in sich ist. Er ist das Original und so möchte er unser ganzes Sein, wenn wir seine Liebe erwidern. Er hat uns immer zuerst geliebt, indem er uns aus Liebe ins Dasein gerufen hat. Er möchte unsere ganze Liebe wie der Ehepartner am Traualtar. Deshalb ist es logisch, jedes Gebot Gottes zu halten, mag es noch so klein sein, aber nicht aus juristischem Verständnis, sondern vom Beziehungsaspekt her. Und dieser Liebesaspekt sollte auch der Kern der Verkündigung des Evangeliums sein. Wenn die Kirche die Gebote Gottes den Menschen erklärt, soll dieser Beziehungsaspekt der rote Faden sein. Dann werden die Menschen verstehen, warum die Gebote zu halten sind.
Groß sein im Himmelreich können nur jene, die als Verkündiger des Evangeliums erstens die Gebote selbst halten und zweitens die Gebote vollständig lehren, auch jene Gebote, die Anstoß erregen. Und in unserer heutigen Zeit sind das ganz klar die Gebote, die die Keuschheit des Menschen betreffen. Dafür müssen die Verkündiger des Evangeliums diese Keuschheit zunächst wieder selbst leben. Wenn wir hier von Geistlichen sprechen, meint es die Form der Keuschheit für Menschen im geistlichen Stand wie Priester und Ordensleute. Wenn wir von Katecheten sprechen, dann meint es die eheliche Keuschheit (ja, die gibt es!!) oder die voreheliche Keuschheit für die noch nicht Verheirateten. Es geht um die Reinheit des Herzens und die soll in jedem Lebensstand gewährleistet werden. Das ist nämlich der größte Ausdruck von Freiheit und überzeugt die Menschen letztendlich. Das wird anstecken und so möchten auch die Hörer der Verkündigung eine solche Freiheit erlangen. Wäre dem nicht so, würden wir nicht beobachten, dass die zeitgeistig Denkenden leere Kirchenbänke vor sich haben, während die, die vom Evangelium ganz überzeugt sind und sich um die Umsetzung zunächst selbst bemühen, eine fast platzende Kirche haben. Menschen spüren, wo Wasser gepredigt und Wein getrunken wird. Sie merken auch, wo noch authentische Verkündigung ist. Heute lädt Jesus uns wieder ein, zu diesem authentischen Leben zurückzukehren bzw. überhaupt erst umzukehren. Dann wird die Kirche wieder aufblühen. Das ist die einzige Chance. Er ist schließlich das Wort, das wie Regen die Erde tränkt und neue Pflanzen hervorbringen kann. Dies kann kein zeitgeistiger Aktivismus erlangen. Er ist das fleischgewordene Wort Gottes. Wenn wir auf ihn hören und alles befolgen, dann wird das zur Realität, was Paulus schreibt: Der Buchstabe tötet (Buchstabentreue, Halten um der Gebote willen, nicht um Gottes willen), der Geist aber macht lebendig (Festhalten an der Taufgnade, immer wieder umkehren und arbeiten an der Beziehung mit Gott).

Ihre Magstrauss


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