Samstag der 10. Woche im Jahreskreis

2 Kor 5,14-21; Ps 103,1-2.3-4.8-9.11-12; Mt 5,33-37

2 Kor 5
14 Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben.
15 Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde.
16 Also kennen wir von jetzt an niemanden mehr dem Fleische nach; auch wenn wir früher Christus dem Fleische nach gekannt haben, jetzt kennen wir ihn nicht mehr so.
17 Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
18 Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.
19 Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er ihnen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und unter uns das Wort von der Versöhnung aufgerichtet hat.
20 Wir sind also Gesandte an Christi statt und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!
21 Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.

Heute hören wir wieder einen Abschnitt aus dem zweiten Korintherbrief. Die Apostel haben die Aufgabe, Versöhnung zu schaffen. Inwiefern? Es geht in erster Linie um eine Aussöhnung jedes Menschen mit Gott. Das, was die Juden am Versöhnungstag gefeiert haben – die Bitte um Vergebung Gottes und Sühnung für die Sünden – das streben jene an, die die Menschen evangelisieren. Denn dadurch nehmen die Hörer den Glauben an Christus an, lassen sich auf seinen Namen taufen und empfangen so die vollkommene Vergebung ihrer Sünden. So werden die Apostel zu Werkzeugen der Versöhnung zwischen Gott und dem Menschen immer dann, wenn der Mensch von der Botschaft berührt wird. Das ist die erste Versöhnung, um die es jedem einzelnen Menschen zuerst gehen muss.
Die Apostel haben die Aufgabe, Versöhnung zu stiften, möchten dies aber auch ausdrücklich. Es ist nicht einfach eine Pflichterfüllung, sondern sie werden gedrängt von der Liebe Christi, die sie selbst erfahren haben. Paulus hat eine beeindruckende Glaubensgeschichte hinter sich. Das möchte er weitergeben. Was Christus an ihm getan hat und was er realisiert hat – Jesus ist für Paulus ganz persönlich gestorben – das möchte er allen Menschen ermöglichen. Alle sterben – nicht nur einfach biologisch, sondern gemeint ist in der Taufe das Absterben des alten Menschen. Und davon ausgehend erfahren sie eine Auferstehung zum ewigen Leben, das sie von da an für Christus leben, nicht mehr für sich selbst. Das betrifft die Apostel, das betrifft aber auch die angesprochenen Korinther. Ab der Taufe kennen wir einander nicht mehr „dem Fleische nach“. Das heißt nämlich, dass wir von da an eine neue Schöpfung sind und zu einer geistigen Familie verbunden worden sind. Diese entstandene Familienbande hat Konsequenzen für unser Zusammenleben. Mitchristen sind nicht einfach Mitchristen, sondern meine Brüder und Schwestern, für die ich alles tun würde, auch sterben. Wenn sie leiden, leide ich mit, wenn ihnen das Kreuz zu schwer ist, helfe ich ihnen. Wenn sie vom richtigen Weg abkommen, setze ich mich dafür ein, dass sie wieder zurückfinden.
Wir müssen die ausführliche Rede von der Versöhnung wirklich ernst nehmen als eine Typologie, die uns ins alte Israel zurückführt. Es ist eine Andeutung des Versöhnungstages mit allen Riten, die dort geschehen. Wir sehen vor allem das Besprengen der Platte der Bundeslade sowie des ganzen Volkes mit dem Blut von Tieropfern zur Sühne der Sünden Israels. Wir brauchen keine Platte der Bundeslade mehr, wir brauchen keine Tieropfer mehr – Christus ist der einzig wahre Hohepriester, der durch sein eigenes Blutvergießen ein ultimatives und ewiges Jom Kippur erlangt hat, nicht nur für Israel, sondern für die Sünden der ganzen Welt. Er ist es also, der alles getan hat und das die Apostel nicht einfach selbst von sich aus neu tun. Sie verkünden dieses Heil und wenn sie die Sakramente spenden, tun sie es „an Christi statt“, als seine Hände und Füße, als sein Mund, als sein Sprachrohr. Christus ist der einzig wahre Hohepriester des Neuen Bundes. Er ist derjenige, der eigentlich alle Sakramente spendet, der allen Segen spendet, der in der Kirche lebt und wirkt durch die Kraft des Hl. Geistes. Die Geistlichen tun nämlich alles in persona Christi.
Wie schön ist es doch, mit Gott versöhnt zu sein! Wie wohltuend ist doch schon die Versöhnung nach einem Streit unter Menschen. Deshalb appelliert Paulus an die Korinther: „Lasst euch mit Gott versöhnen!“
Zum Ende hin sagt Paulus etwas, das man missverstehen kann, was aber Pauli brillanter Rhetorik zuzuschreiben ist: Der Vater hat den Sohn zur Sünde gemacht, der keine Sünde kannte. Jesus war ohne Sünde. Daran besteht kein Zweifel. Gott hat ihm nicht die Sünde auferlegt in dem Sinne, dass Jesus gesündigt hätte, obwohl er Gott ist. Vielmehr soll das heißen, dass Jesus erstens das Kreuz auf sich nahm bzw. ans Kreuz geschlagen worden ist, dem Zeichen der Sünde schlechthin. Schließlich betrifft es die Schwerstverbrecher und die Juden gingen deshalb davon aus, wie auch in Deuteronomium festgestellt: Ein Gehenkter ist ein von Gott Verfluchter. Zweitens hat Jesus die Sünde der ganzen Welt auf sich genommen. Er ist zum Sündenbock geworden, um noch einmal auf die Typologie zum Versöhnungstag Israels zurückzukommen. Dort ist ein Opfer vorgenommen worden, bei dem der Hohepriester seine Hände über ein Tier gehalten hat, bevor es in die Wüste geschickt worden ist. In dieser Geste wurden die Sünden des ganzen Volkes auf das Tier übertragen, deshalb der Begriff des Sündenbocks. Christus ist der Sündenbock des Neuen Bundes. Dadurch hat er uns vor Gott gerechtfertigt. Uns ist die Taufgnade geschenkt, das reine weiße Leinen, mit dem wir eines Tages vor Gott treten werden.

Ps 103
1 Von David. Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
2 Preise den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
3 Der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,
4 der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt,
8 Der HERR ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Huld.
9 Er wird nicht immer rechten und nicht ewig trägt er nach.

11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so mächtig ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.
12 So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang, so weit entfernt er von uns unsere Frevel.

Der Psalm, den wir David zu verdanken haben, ist ein sehr bekannter Lobpreispsalm. Wir haben immer Grund zum Lobpreis, weil Gott uns so viel Gutes getan hat. Er vergibt uns jeden Tag, wirklich JEDEN TAG, jeden Moment unseres Lebens unsere Sünden, wo wir umkehren! Wie unendlich viel Geduld hat Gott mit uns! Schon das Volk Israel kann viele Geschichten darüber erzählen…Wie oft ist es anderen Göttern nachgelaufen, wie oft hat es undankbar gehandelt. Und doch ist Gott seinem auserwählten Volk treu geblieben, hielt sein Versprechen, seinen Bund! Wie oft hat er es zurückgeholt, in dem er eine Fremdherrschaft nach der anderen zugelassen hat! Würden wir die Kraft haben, unserem Partner zu vergeben, wenn er/sie mir fremdgegangen ist? Nichts anderes tat und tut Gott mit uns, mit seiner geliebten Braut. Mit Blick auf die Lesung müssen wir auch in den Blick nehmen, wie oft Gott dem Volk Israel die Gnade der Vergebung immer am Versöhnungstag geschenkt hat.
Auch die Kirche als Volk Gottes schaut anderen hinterher und wird untreu, wo auch immer sie der Welt gefällt, sich von Gottes Willen entfernt. Und doch bleibt Christus seiner Braut treu und hält sein Versprechen, bei ihr zu sein alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28). Er kommt trotzdem in der Eucharistie zu uns und spendet auch die anderen Sakramente. Gott vergibt uns immer und immer wieder die Schuld in der Beichte, auch wenn wir immer dieselben Sünden begehen. So geduldig ist er mit uns! Er gibt uns jedes Mal auch noch die Kraft durch das Beichtsakrament, das nächste Mal der Sünde zu widerstehen. Seine Gnade kennt keine Grenzen. Seine Barmherzigkeit ist auch noch so unendlich, dass er uns sogar die Chance auf das Himmelreich gibt, wenn wir noch nicht alles gesühnt haben. Das, was wir Fegefeuer nennen, ist mit Blick auf die Ewigkeit DER Beweis seiner vergebenden Barmherzigkeit!
Gott heilt all unsere Gebrechen. Ja, er heilt in erster Linie unsere Seele, das ewige Leben. Er heilte die Beziehung zwischen seinem Volk und ihm. Diese Form von Heilung können wir mit dem Begriff der Versöhnung bei Paulus verbinden. Gott heilte auch damals schon körperliche Gebrechen und soziale Ausgrenzung. Er heilte die Seele derer, die keine Hoffnung mehr hatten und er stärkte die Ängstlichen mit dem Geist des Mutes. Gott heilte ganz besonders durch Jesus Christus. Dieser heilte in erster Linie auch die Seele und die Beziehung der Menschen zu Gott durch die Sündenvergebung. Der Gelähmte, der über das Dach auf einer Trage hinabgelassen wurde, wurde zunächst seelisch geheilt, bevor Jesus ihm als Bonus auch die körperliche Heilung schenkte. Jesus sagte: „Euch soll es zunächst um das Reich Gottes gehen, alles Andere wird euch dazu gegeben.“ Jesus heilte auch die vielen Ausgegrenzten von ihren sozialen Gebrechen, in dem er sie körperlich heilte – sei es die blutflüssige Frau, die Blinden oder die vielen Aussätzigen. Vor allem trieb er auch Dämonen aus, die den Geplagten seelische Folter bescherten.
Jesus heilt auch heute noch durch die Sakramente. Wenn Sie sich mit dem Heilungs- und Befreiungsdienst der Kirche befassen, werden Sie oft zu hören bekommen: Das größte Heilungsgebet – auch gerade um körperliche Heilung – sind die Beichte und die Eucharistie. Wenn die Beziehung zu Gott wieder versöhnt ist, kann Gottes Kraft im Menschen wirken. Gott wird auch am Ende der Zeiten alles heil machen, sodass es nicht mal mehr den Tod geben wird.
Alles, was Gott an uns Menschen tat, tut und tun wird, hat das Ziel, uns das ewige Leben zu ermöglichen. Er will uns vor dem Untergang retten. Das ist für das Volk Israel zunächst das Ende des Fortbestehens, der Generationenabfolge und des Kultes. Es betrifft später auch das Leben nach dem Tod, als die Israeliten nach und nach eschatologische Zusammenhänge begriffen. Dies betrifft den Fortgang der Kirche als Leib Christi. Jesus hat Petrus zugesagt, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden. Es meint im Hinblick auf jeden Einzelnen den moralischen Untergang, der nach dem Tod dann den Untergang der Seele zur Folge hat. Er rettet uns vor dem seelischen Tod, der Hölle, in dem er uns immer wieder Anlass zur Umkehr schenkt und wir noch bis zum Moment des Todes bereuen können. Gott ist wirklich langmütig, das heißt unendlich geduldig mit uns. Sein Gericht ist kein Berechnen im Sinne von: „Dies und das hast du getan, das ergibt so und so viel Strafe.“ Er richtet vor allem nach unserem Herzen, nach unserer Absicht und diese gibt Aufschluss über die Konsequenz. Und darüber hinaus währt seine Barmherzigkeit nach dem Maß unserer aufrichtigen Reue. Es ist wirklich ein entlarvender Psalm, der nämlich das Vorurteil entkräftet, im Alten Testament komme nur der strenge Richtergott vor. Schon hier lesen wir von Gottes unendlicher Barmherzigkeit.

Mt 5
33 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.

34 Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron,
35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs!
36 Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen.
37 Eure Rede sei: Ja ja, nein nein; was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen.

Das Evangelium stellt heute wieder einige Verse aus der Bergpredigt dar. Wir hören von dem Verbot, zu schwören. Die Alten verboten den Meineid und hielten die Gläubigen zur Einhaltung von Versprechen an, was auch gut ist. Die ursprüngliche Intention dieses Gebotes bestand darin, Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu fördern. Das Problem ist, dass die Menschen Schwüre zunehmend inflationär gebraucht haben. Sie haben bei jeder Notlüge, die sie begangen haben, einen Schwur hinterher gesagt, um sich glaubwürdig zu machen. Das ist ein Missbrauch von Schwüren und Gelübden. Deshalb sagt Jesus, dass man gar nicht schwören soll, nicht weil Gelübde an sich schlecht sind, sondern weil man die Wahrheit sagen soll. Euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein. Es geht um Aufrichtigkeit, die schon im Herzen beginnt. Es ist wie mit der Rede von der Verstümmelung. Jesus möchte keine Selbstverletzung, er möchte auch nicht, dass jetzt keine Gelübde mehr abgelegt werden. Er möchte ein aufrichtiges Sprechen. Schwüre sind für besondere Situationen und schon gar nicht dafür, auf den Namen Gottes oder seinen Tempel etc. zu schwören, um den Namen Gottes zu verunehren. Das ist eine Sünde gegen das zweite Gebot.
Bis heute ist das Schwurverbot ja nicht absolut. Im Katechismus ist die differenzierte Sicht sehr gut zusammengefasst. Bestimmte Berufe sind ja an einen offiziellen Eid gebunden. Das widerspricht Jesu Worten in der Bergpredigt nicht. Bis heute legen Menschen Gelübde ab, gerade die Ordensgelübde sind hier zu nennen. Gelübde an sich sind wie gesagt nicht das Verwerfliche. Jesus möchte, dass wir wahrhaftig sind, aufrichtig. Er möchte, dass unser Inneres unseren äußeren Verhaltensweisen entspricht. Und wenn wir ein Versprechen abgelegt haben – vor Gott oder vor Menschen -, sollen wir dieses auch halten. Deshalb ist es wichtig, dass man sich vorher gut überlegt, was man verspricht. Wenn es von Anfang an klar ist, dass man es nicht halten kann oder wird, soll man es nicht versprechen.

Heute geht es darum, wie wir aufrichtiger werden können, damit wir mit Gott Versöhnung erlangen. Prüfen wir uns immer wieder selbst, nicht aus Skrupel, sondern um an der Liebesbeziehung mit Gott zu arbeiten. Er hat schon so viel gewirkt, damit wir überhaupt diesen Weg gehen können und zu seiner Familie gehören. Leben wir so, dass wir uns am Ende nicht schämen müssen.

Ihre Magstrauss

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