Montag der 20. Woche im Jahreskreis

Ri 2,11-19; Ps 106,34-35.36-37.39-40.43-44; Mt 19,16-22

Ri 2
11 Die Israeliten taten, was in den Augen des HERRN böse ist, und dienten den Baalen.

12 Sie verließen den HERRN, den Gott ihrer Väter, der sie aus Ägypten herausgeführt hatte, und liefen anderen Göttern nach, Göttern der Völker, die rings um sie her wohnten. Sie warfen sich vor ihnen nieder und reizten den HERRN zum Zorn.
13 Als sie den HERRN verließen und dem Baal und den Astarten dienten,
14 entbrannte der Zorn des HERRN gegen Israel. Er gab sie in die Hand von Plünderern, die sie ausplünderten, und gab sie der Hand ihrer Feinde ringsum preis, sodass sie ihren Feinden keinen Widerstand mehr leisten konnten.
15 Sooft sie auch in den Krieg zogen, war die Hand des HERRN gegen sie zum Unheil, wie der HERR gesagt und ihnen geschworen hatte. So gerieten sie in große Not.
16 Der HERR aber setzte Richter ein und die retteten sie aus der Hand derer, die sie ausplünderten.
17 Doch sie gehorchten auch ihren Richtern nicht, sondern hurten anderen Göttern hinterher und warfen sich vor ihnen nieder. Rasch wichen sie von dem Weg ab, den ihre Väter, den Geboten des HERRN gehorsam, gegangen waren. Sie jedoch handelten nicht so.
18 Wenn aber der HERR bei ihnen Richter einsetzte, dann war der HERR mit dem Richter und rettete die Israeliten aus der Hand ihrer Feinde, solange der Richter lebte; denn der HERR hatte Mitleid mit ihnen, wenn sie über ihre Feinde und Unterdrücker klagten.
19 Sobald aber der Richter gestorben war, wurden sie rückfällig und trieben es noch schlimmer als ihre Väter, liefen anderen Göttern nach, dienten ihnen und warfen sich vor ihnen nieder. Sie ließen nicht ab von ihrem bösen Treiben und von ihrem störrischen Verhalten.

Israel lebt nun im Verheißenen Land. Josua ist verstorben. Es herrschen in jener Zeit die Richter bis zur Königszeit, die mit Saul beginnt. Diese Regierungsform wird als Judikat bezeichnet. Die bekanntesten Richter Israels sind Deborah, Simson, Samuel und Gideon. In dieser Phase Israels herrscht ein Auf und Ab, eine Achterbahn der Gefühle, was die Gottesbeziehung anbelangt. Es gibt Generationen, die auf die Worte des Mose und auch des Josua hören und gottesfürchtig sind. Sie halten die Gebote und sind dem einen wahren Gott treu. Andere Generationen fallen aber vom Glauben ab und fangen an, den Göttern der Fremdvölker zu dienen. So eine Phase wird uns nun in der Lesung berichtet. Die Israeliten dienen den Baalen, weil das die Völker um sie herum auch tun. Es wird erklärt, dass sie dies tun, weil sie vergessen, was der eine wahre Gott ihnen Gutes getan hat. Immer wieder hat Mose ja erklärt, dass die Israeliten Gottes Heilstaten nie vergessen dürfen, um nicht vom Glauben abzufallen. Deshalb sollen sie ja die Tefillin und Mesusot anbringen, in denen das Schema Israel enthalten ist. Sie sollen immer wieder daran erinnert werden, wer Gott und wie ihre Beziehung ist zu ihm ist. Stattdessen verfallen sie dem Baals- und Astartenkult.
Dies zieht Folgen nach sich, die bereits Mose angekündigt hat, als er den Israeliten Fluch und Segen vorgelegt hatte. Und auch Josua hat bei seinem Drängen zu einer Entscheidung für oder gegen Gott die Folgen des Bundesbruchs beschrieben. Die Israeliten bekommen diese Folgen nun zu spüren, indem sie ausgeplündert werden und sich gegen die Feinde nicht verteidigen können. Sie verlieren Kriege. Dass der Erfolg in ihrem Tun ausbleibt hängt damit zusammen, dass sie durch den Götzendienst den Segen Gottes, von dem alles abhängt, verloren haben.
Und doch lässt Gott sein Volk nicht im Stich, obwohl es sich dieses Leben selbst gewählt hat. Er schickt ihnen zur richtigen Zeit die richtigen Richter, die sie aus der Hand der Feinde retten. Doch dies währt nicht lange, weil sie mit dem Götzendienst weitermachen. Es heißt hier sogar in drastischer Sprache: Sie „hurten anderen Göttern hinterher und warfen sich vor ihnen nieder.“ Sehr oft wird der Götzendienst mit dem Bildfeld des Ehebruchs oder der Unzucht umschrieben, weil die Bundesbeziehung Israels mit Gott mit dem Ehebund vergleichbar ist. Immer wieder wird Israel ja als Braut Gottes bezeichnet. Es ist eine Untreue wie unter Eheleuten. Und wie es bei besonders treuen Ehepartnern ist, denen der Partner untreu geworden ist, versucht der betrogene Part alles, um den anderen zurückzuholen. Gott ruft und ruft seine Braut zurück, indem er Richter beruft, die kurzzeitig auch Erfolg haben. Sie retten Israel aus der Hand ihrer Feinde. Doch sobald diese guten Richter dann gestorben sind, verlassen die Israeliten den Weg Gottes wieder und der Rückfall ist schlimmer als zuvor: Sie „trieben es noch schlimmer als ihre Väter“. So ist das Unheil wieder vorprogrammiert, denn Gott lässt sich nicht spotten. Er möchte sie die Konsequenzen ja immer wieder spüren lassen, damit sie zur Besinnung kommen und zu ihm zurückkehren. Dieses ständige Zurückfallen in den Götzendienst wird als störrisches Verhalten bezeichnet. Die Israeliten sind stur, weil sie immerwährend an der schlimmsten Sünde festhalten.

Ps 106
34 Sie rotteten die Völker nicht aus, wie der HERR es ihnen befohlen.

35 Sie vermischten sich mit den Völkern und lernten von ihren Taten.
36 Sie dienten deren Götzen, sie wurden ihnen zur Falle.
37 Sie brachten ihre Söhne und Töchter dar als Opfer für die Dämonen.
39 Sie wurden durch ihre Taten unrein und brachen mit ihrem Tun die Treue.

40 Der Zorn des HERRN entbrannte gegen sein Volk, Abscheu empfand er gegen sein Erbe.
43 Viele Male hat er sie befreit, sie aber blieben widerspenstig bei ihren Beschlüssen und versanken in ihrer Schuld.
44 Da sah er auf ihre Drangsal, als er auf ihr Schreien hörte.

Als Antwort auf das götzendienerische Verhalten Israels beten wir einen Geschichtspsalm, der die Schuld des Volkes durch die Geschichte hindurch betrachtet beziehungsweise bekennt.
Die Israeliten sollten keinesfalls vom Götzendienst der Fremdvölker lernen, sondern ganz bei ihrem Gott bleiben. Doch stattdessen haben sie sich mit den Völkern vermischt, das heißt sie haben heidnische Menschen geheiratet. Sie „lernten von ihren Taten“, das heißt wesentlich, dass sie ihre Götter angebetet haben, was auch im nächsten Vers zum Ausdruck kommt: „Sie dienten ihren Götzen“. Weil dies aber die schlimmste Sünde für den eifersüchtigen Gott ist, wird es „ihnen zur Falle.“ Die Konsequenz der schweren Sünde ist besonders schwer. Gott möchte die ganze Liebe seines Volkes, das ihm ja die Treue geschworen hat. Er darf sie beim Wort nehmen, weil sie es mit eigenen Worten und durch eigene Handlungen, ja sogar durch Opfer, versprochen haben. Weil sie nun aber gar nicht so leben wie versprochen, müssen sie die Folgen des Bundesbruchs nun tragen.
Wir erfahren durch den rückblickenden Psalm einige Details, die in der Lesung nicht so direkt zum Ausdruck kamen. Es wurde von den Baalen und Astarten gesprochen, aber dass sie ihre Kinder opferten, wird in Ri 2 nicht explizit gesagt. Dabei handelt es sich vor allem um die Kinderopfer an den Moloch, der entweder als eigene Gottheit phönizisch-kanaanäischen Ursprungs angesehen wird, oder als Gesamtbezeichnung für alle möglichen Opferriten, die Kinderopfer als Brandopfer vorsahen. Hier wird ganz klar gedeutet, dass „Moloch“ nichts Anderes als dämonisch ist. Was nicht von Gott kommt, kommt von seinem Widersacher. Gott ist ein Gott des Lebens. Er will keine Kinderopfer und diese werden in Israel strengstens verboten.
Weil sie das getan haben, sind sie unrein geworden. An ihren Händen klebt das Blut ihrer eigenen Kinder. Das ist nicht einfach nur eine kultische Verunreinigung, sondern vor allem eine moralische. Sie haben schwere Sünden begangen, durch diese sie Gott untreu geworden sind.
Gottes Zorn ist im biblischen Kontext nicht mit dem Zorn des Menschen vergleichbar. Es ist nie eine affektive und aufbrausende Reaktion, die schnell zu weit geht wie beim Menschen. Gottes Zorn ist stets eine kontrollierte, angemessene und gerechte Reaktion auf das Unrecht der Menschen. Wenn Gottes Zorn entbrennt, bekommen es die Menschen zu spüren auf eine Weise, die absolut gerecht ist. Gott empfindet Abscheu gegen sein Erbe, also gegen Israel, nicht wegen Israel an sich, sondern weil er die Sünde nicht ausstehen kann. Da gibt es bei Gott keine Kompromisse. Sünde ist Sünde und zieht schlimme Folgen nach sich, je schlimmer die Sünde desto schlimmer die Konsequenz.
Und doch rettet er Israel immer wieder aus den Folgen durch gute Richter. Das ist Ausdruck seiner absoluten Barmherzigkeit.
Davon haben die Israeliten nur sehr wenig, denn sie fallen immer wieder zurück. Dieses Verhalten wird als widerspenstig bezeichnet. Wir könnten auch sagen, dass sie verstockt sind, das Wort in den Evangelien.
Doch auch da schaut Gott immer wieder auf Israels Drangsal. Er ist treu, egal wie untreu seine Braut ihm ist. An dieser Liebesgeschichte erkennen wir, wie Gott ist und wie er auch zu uns sein wird. Lassen wir uns von seiner unendlichen Treue berühren!

Mt 19
16 Und siehe, da kam ein Mann zu Jesus und fragte: Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen?

17 Er antwortete: Was fragst du mich nach dem Guten? Nur einer ist der Gute. Wenn du aber in das Leben eintreten willst, halte die Gebote!
18 Darauf fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst kein falsches Zeugnis geben;
19 ehre Vater und Mutter! Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!
20 Der junge Mann erwiderte ihm: Alle diese Gebote habe ich befolgt. Was fehlt mir noch?
21 Jesus antwortete ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib ihn den Armen; und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach!
22 Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.

Im Evangelium geht es um eine Begegnung zwischen Jesus und einem reichen Mann. Dieser kommt zu Jesus und fragt ihn, was er für das ewige Heil tun muss. Jesus antwortet ihm, dass er die Gebote Gottes halten soll. Auf die Nachfrage des Mannes zählt Jesus ihm einige der Zehn Gebote auf: „Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst kein falsches Zeugnis geben; ehre Vater und Mutter!“ Er schließt mit dem Nächstenliebegebot: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ Dieses entstammt Lev 19,18 und fasst die Gebote 4-10 des Dekalogs zusammen. Jesus nennt ihm also alle Gebote des Dekalogs, die auf der Nächstenliebe basieren – außer die Gebote, die mit Begierde zu tun haben. Und das tut er ganz bewusst. Denn er weiß schon längst, was das für ein Mann ist, der mit ihm spricht.
Er hält bereits alle Gebote, nur fehlt ihm die Freiheit von der Begierde nach Hab und Gut. Und deshalb sagt Jesus zu ihm die entscheidenden Worte: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib ihn den Armen; und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach!“ Der Mann soll seinen Besitz verkaufen und jenen geben, die es brauchen. Seine irdischen Schätze können ihm nicht das ewige Leben bei Gott schenken, sondern nur die Ansammlung von himmlischen Schätzen.
Doch genau dies fällt ihm schwer und Jesu Worte treffen ihn an seiner wunden Stelle. Er geht traurig weg, weil er sehr reich ist. Das Problem ist nicht einfach, dass er viel besitzt, sondern dass er daran hängt. Er kann es nicht über das Herz bringen, es zu verkaufen und mit den Bedürftigen zu teilen, weil er „reich im Geiste“ ist. Sein Herz hängt an irdischem Reichtum, er begehrt es und deshalb ist kein Platz für Gott mehr darin. Jesus erklärt im Nachgang den Menschen, wie schwer es für reiche Menschen ist, ins Himmelreich zu kommen, weil sie das eigene Herz sehr schnell an dem irdischen Besitz verlieren. Damit stehen sie sich aber selbst im Weg. Jesus sagt, dass jenen das Himmelreich gehört, die arm sind vor Gott. Und das meint die innere Losgelöstheit, die Freiheit von Begierden. Natürlich schließt das mit ein, dass auch ein Reicher trotz seines irdischen Besitzes „arm im Geiste“ sein kann. Und umgekehrt kann auch jemand, der wenig besitzt, sehr daran hängen oder nach Reichtum begehren, den er nicht hat. Dann ist auch dieser Mensch nicht fähig, ins Himmelreich einzugehen.
Wir lernen noch etwas Anderes von diesem Evangelium: Wer nicht alle Gebote Gottes hält, ist nicht im Stand der Gnade. Wir können nicht alles halten und uns ein unliebsames Gebot herauspicken. Gottes Gebote zu halten, hat etwas mit Liebe und Beziehung zu tun. Wenn wir einen Ehebund eingehen, nehmen wir unseren Ehepartner ja auch mit allen seinen Facetten an. Wir können nicht einen Teil ausblenden, wenn wir am Traualtar die Treue versprechen. Liebe geht aufs Ganze und so ergibt es keinen Sinn, Gottes Gebote zu selektieren. Dieser Mann liebt Gott und seinen Nächsten schon in gewissem Maße, aber er liebt sich selbst und seinen Reichtum ein bisschen mehr. Solange er das nicht überwindet, kann er kein Jünger sein und auch keinen Platz im Himmelreich erhalten. Denn im Himmel hat nur die vollkommene Liebe Bestand.
So können wir das auch auf das Alte Israel beziehen. Selbst wenn es alle anderen Gebote Gottes hält, aber weiterhin Götzendienst betreibt, ist es Gott in der Bundesbeziehung untreu. Entweder nimmt es die gesamte Torah an oder nicht. Es gibt kein Dazwischen. Dass es eine Herausforderung für Israel werden würde, wusste Gott schon im Voraus. Deshalb hatte er Mose und Josua geschickt und durch sie immer wieder Israel vor dem Götzendienst gewarnt. Es ist schwerer, diesen nicht zu tun, wenn um einen herum alle Völker anderen Göttern dienen, so wie es eine besondere Versuchung für einen Reichen ist, an dem Reichtum zu hängen. Und doch ist der Beistand Gottes uns Kraft, auch diese Herausforderung zu meistern. Die Lesung und das heutige Thema sind aktueller als wir denken. Die Kirche wird auch heutzutage versucht, statt der Bundestreue zum einen wahren Gott einen Synkretismus zu leben, der andere Gottheiten einbezieht, weil die Mission in jenen Gegenden nicht konsequent war. Ich erinnere an Pachamama.

Ihre Magstrauss

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