Freitag der 24. Woche im Jahreskreis

1 Tim 6,3b-12; Ps 49,6-7.8-9.17-18.19-20; Lk 8,1-3

1 Tim 6
3 Wenn einer etwas anderes lehrt und sich nicht an die gesunden Worte Jesu Christi, unseres Herrn, hält und an die Lehre, die unserer Frömmigkeit entspricht,

4 der ist verblendet; er versteht nichts, sondern ist krank vor lauter Auseinandersetzungen und Wortgefechten. Diese führen zu Neid, Streit, Verleumdungen, üblen Verdächtigungen
5 und Gezänk unter den Menschen, deren Denken verdorben ist; diese Leute sind von der Wahrheit abgekommen und meinen, die Frömmigkeit sei ein Mittel, um irdischen Gewinn zu erzielen.
6 Die Frömmigkeit bringt in der Tat reichen Gewinn, wenn man genügsam ist.
7 Denn wir haben nichts in die Welt mitgebracht und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen.
8 Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen.
9 Die aber reich sein wollen, geraten in Versuchung und Verstrickung und in viele sinnlose und schädliche Begierden, welche die Menschen ins Verderben und in den Untergang stürzen.
10 Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht. Nicht wenige, die ihr verfielen, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich viele Qualen bereitet.
11 Du aber, ein Mann Gottes, flieh vor alldem! Strebe vielmehr nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut! 12 Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen worden bist und für das du vor vielen Zeugen das gute Bekenntnis abgelegt hast!

Heute hören wir aus dem letzten Kapitel des ersten Timotheusbriefs einen Abschnitt als Lesung.
Paulus warnt Timotheus abschließend vor Irrlehren und appelliert beim angesprochenen nochmals darum, den Menschen ein Vorbild zu sein.
Timotheus soll sich vor den verblendeten Menschen hüten, die etwas lehren, was vom Evangelium Jesu Christi abweicht. Er soll sich nicht darauf einlassen, denn was sie bringen, ist Neid, Streit, Verleumdungen und Verdächtigungen. Sie sind immer auf Streit aus und leisten sich viele Wortgefechte, als ob sich argumentativ das Evangelium Jesu Christi wegdiskutieren lasse. So etwas ist auch in unserer heutigen Zeit gang und gäbe. Auch heutzutage wird viel diskutiert, werden viele Rahmenbedingungen grundgelegt, die Diskussionen über Diskussionen zulassen über indiskutable Inhalte des Glaubens. Zu Pauli Zeiten gibt es anscheinend Lehrer, die mithilfe des Glaubens irdische Ziele erreichen möchten. Dabei sollte das Evangelium den Weg in die Ewigkeit bereiten. Es geht nicht darum, dass man überhaupt nichts Irdisches durch die Verkündigung des Evangeliums bekommt. Paulus selbst hat reichlich Spenden erhalten. Aber es soll nicht Mittel zum Zweck werden.
Irdischer Gewinn wird hier vor allem im Sinne eines zunehmenden Reichtums verstanden. Deshalb sagt Paulus in Vers 6 auch, dass Frömmigkeit einem Genügsamen Gewinn bringt. Wer natürlich auf breitem Fuß lebt, wird durch die Verkündigung des Evangeliums nicht reich werden.
Als Arme kommen Menschen in die Welt und verlassen sie auch wieder. Das Totenhemd hat keine Taschen. Wir können unseren irdischen Reichtum nicht in die Ewigkeit mitnehmen. Wenn wir das aber wünschen, beweist es unsere Anhänglichkeit daran. Wer viel hat, ist besonders versucht, daran zu hängen. Wenn dann solche Begierden aufkommen, stürzen diese einen ins Verderben. Für einen Geistlichen ist das besonders drastisch, weil dieser den Weg in die Ewigkeit bahnen sollte, nicht selbst vom Weg abkommen sollte.
Schon die Tragödie des Widersachers Gottes hat ihren Ursprung im Habenwollen. Er wollte wie Gott sein. Es ist der Ursprung der Sünde des Menschen. Auch ihnen wurde in Aussicht gestellt, wie Gott werden zu können. Die Habsucht zeigt sich zu allen Zeiten vor allem als Habenwollen von Besitz, Ansehen und Macht. Diese Begierde ist so zerstörerisch, dass sie schon viele Menschen vom Glauben abgebracht hat. Sobald Missionare zu allen Zeiten im Laufe der Kirchengeschichte dem Geld verfallen und beginnen, bei ihrem Apostolat wirtschaftlich zu denken, begann ihre Dekadenz.
Paulus weiß um die Macht dieser Begierde, die auf heimtückische Weise den Missionar befallen kann mit dem Vorwand: Ich muss ja die Mittel haben, um den Laden beisammen zu halten! Deshalb warnt er Timotheus nachdrücklich davor, habsüchtig zu werden. Er soll vielmehr nach den Tugenden streben wie Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut. Er soll immer in Kampfposition gehen, das heißt stets wachsam sein und die Angriffe des Bösen erkennen. Das ist mit dem „guten Kampf“ gemeint. Es ist ein geistiger Kampf zwischen den Mächten der Finsternis und den Kindern des Lichts. Timotheus soll alles tun, um das ewige Leben zu gewinnen, das er bekannt hat und auf das hin er ja getauft ist. Deshalb ist er dazu berufen – so wie wir alle.

Ps 49
6 Warum soll ich mich in bösen Tagen fürchten, wenn mich die Schuld meiner Tritte umgibt?
7 Sie verlassen sich ganz auf ihren Besitz und rühmen sich ihres großen Reichtums.
8 Doch kann keiner einen Bruder auslösen, an Gott für ihn ein Sühnegeld zahlen
9 – für ihr Leben ist jeder Kaufpreis zu hoch, für immer muss man davon abstehn –
17 Lass dich nicht beirren, wenn einer reich wird und die Herrlichkeit seines Hauses sich mehrt;
18 denn im Tod nimmt er das alles nicht mit, seine Herrlichkeit steigt nicht mit ihm hinab.
19 Preist er sich im Leben auch glücklich: Man lobt dich, weil du es dir wohl sein lässt,
20 so muss er doch zur Schar seiner Väter hinab, die das Licht nicht mehr erblicken.

Als passende Antwort auf die Lesung beten wir einen Korachpsalm, der als Weisheitslied zu bezeichnen ist. In den heutigen Versen wird das Thema Reichtum in den Blick genommen. Es wird insgesamt betont, wie nutzlos der Reichtum ist.
Auch wenn der Mensch schwere Zeiten durchlebt (böse Tage), muss er sich nicht fürchten. Denn was ihn umgibt und bedroht, sind die Tritte derer, die ihn hintergehen. In der Einheitsübersetzung heißt es „Schuld meiner Tritte“, dabei übersetzt die sehr wortnahe Elberfelder Übersetzung mit „Sünde derer, die mit hintergehen“. Der Sinn ist klar – Angst ist wie eine Lupe, die ein nicht bedrohliches Problem aufbauscht.
Die Gegner wähnen sich als überlegen, doch ihre Stütze ist ein Kartenhaus. Es besteht in ihrem Besitz. Doch ihr Reichtum kann sie vor Gott nicht rechtfertigen. Entschuldung ist unbezahlbar, vielmehr einlösbar durch persönliche Umkehr und Annahme der Erlösung durch Jesus Christus. Das können die Menschen des Alten Bundes noch nicht sagen. Umso mehr überwältigt es uns, die wir als bereits Erlöste leben dürfen!
Wenn jemand immer reicher wird, soll es uns nicht verblenden. Das sind irdische Schätze, die die Person auf Erden zurücklassen wird, wenn er stirbt. Auch hier im Psalm besteht der Grundsatz: Das Totenhemd hat keine Taschen.
Die Juden glauben, dass sie nach dem Tod in den Scheol hinabsteigen, in das Totenreich, das mehr ist als die Hölle. Alle versammeln sich dort. Deshalb heißt es hier, dass die Reichen nach ihrem Tod hinabsteigen und ihre „Herrlichkeit“ nicht mitnehmen können. Das meint weniger die Herrlichkeit, wie wir sie für Gott festmachen, als vielmehr den Ruhm und das Ansehen einer reichen Person.
Die weniger reiche Person, die dafür am Herrn festhält, kann sich damit trösten, dass sie keinen Nachteil dem Reichen gegenüber besitzt: Dieser muss genauso hinabsteigen „zur Schar seiner Väter“ und nicht mehr zu den Lebenden zurückkehren. Sterben müssen alle Menschen. Keiner hat dann von den irdischen Maßstäben her einen Vorteil. Ein Reicher und ein Armer kommen an denselben Ort. Sie müssen sich beide vor Gott verantworten. Entscheidend sind nicht die irdischen Reichtümer, die man erreicht hat oder nicht. Entscheidend ist dann, ob man den Weg Gottes gegangen ist oder nicht.

Lk 8
1 Und es geschah in der folgenden Zeit: Er wanderte von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn

2 und auch einige Frauen, die von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren,
3 Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie unterstützten Jesus und die Jünger mit ihrem Vermögen.

Im Evangelium hören wir heute einen kurzen Ausschnitt, der uns das Verhältnis Jesu zu Frauen erkennen lässt. Er hat mit vielen Konventionen seiner Zeit gebrochen und Frauen mit viel mehr Achtung und Würde behandelt, als es in seiner Zeit üblich war. Man muss zugleich dazu sagen, dass es in rabbinischen Kreisen auch schon Frauen als Schülerinnen gab. Ganz so neu war es also nicht, dass auch Frauen Jesus bei seinen Evangelisierungsreisen begleitet haben.
Jesus „wanderte von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf“. Nicht nur der Zwölferkreis begleitete Jesus überall hin, wo er das Reich Gottes verkündete, sondern auch ein erweiterter Jüngerkreis, zu dem auch Frauen gehörten.
Wir hören zum Beispiel von Maria aus Magdala („Magdalena“ bzw. „Magdalene“ heißt „Bewohnerin der Stadt Magdala“), die Jesus von sieben Dämonen befreit hat. Anscheinend ist sie nicht die einzige, die besessen oder krank war, als Jesus sie geheilt oder befreit hat. Diese Aussage hier im Lukasevangelium ist unterschiedlich bewertet worden. Manchmal hat man es so verstanden, dass Maria Magdalenas sieben Dämonen nicht wörtlich zu verstehen seien, sondern als die sieben Todsünden oder einfach als Fülle der Sünden. Sie habe also eine radikale Bekehrung erlebt, nachdem sie in tiefster Todsünde steckte. Die Siebenzahl symbolisiert Fülle und Vollkommenheit. Aber wenn wir die Aussage zusammen mit den anderen Frauen und deren bösen Geistern lesen, klingt das doch nach echter Besessenheit mit anschließendem Exorzismus. Warum wird erwähnt, dass Jesus gerade bei Frauen einen Exorzismus vorgenommen hat, bevor sie seine Jüngerinnen wurden? Man kann es womöglich mit den beliebten Besessenheitskulten jener Zeit in Verbindung bringen, bei denen gerade Frauen eine wichtige Rolle spielten. Wir denken an die Mänaden dionysischer Kreise oder an die Besessenheitskulte der „Großen Mutter“. Raserei, wie diese Besessenheitsanfälle genannt worden sind, gab es zuhauf auch im Heiligen Land, insbesondere im Norden des Landes, wo Jesus sehr viel gewirkt hat. Maria Magdalena ist zum Beispiel aus einer hellenistisch geprägten Stadt im Norden, die für Fischpökelei bekannt war.
Viele der befreiten und geheilten Frauen, die Jüngerinnen Jesu geworden waren, haben ein beachtliches Vermögen, mit dem sie Jesus unterstützen. Maria Magdalena kommt aus der Fischpökelstadt, die durch ihren Handel zu einem sehr wohlhabenden Ort geworden ist. Womöglich handelt es sich bei ihr um eine Witwe, die durch ihren Mann zu einem großen Vermögen gekommen ist. Vielleicht arbeitete er in der genannten Branche. Ansonsten werden eine gewisse Johanna, die Frau des Chuzas, und eine Susanna namentlich genannt. Auch in der ersten Christengeneration wird es reiche Frauen geben, die mit ihrem Vermögen die Christengemeinden unterstützen und sogar ihre Häuser als Versammlungsort bereitstellen.
Jesus hat also ganz unterschiedliche Menschen in seinem Jüngerkreis – von ganz vornehmen bis hin zu gesellschaftlich Randstelligen. Und das ist auch gut so, denn Gott beruft alle Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Situationen kommen. Und die eine Taufe, die sie empfangen werden, wird laut Paulus im Galaterbrief alle Getauften vor Gott gleich machen. Sie werden vor Gott alle die gleiche Würde haben, ob Mann oder Frau, ob Jude oder Grieche, Sklave oder Freier. Das heißt nicht, dass alle die gleichen Aufgaben haben werden. Das sehen wir ja schon zu Jesu Zeiten: Die einen erhalten seine Vollmachten (der Zwölferkreis), die anderen unterstützen finanziell. Wiederum andere kümmern sich um die Bedürftigen, andere wiederum sorgen für Schutz, weil sie beruflich großen Einfluss besitzen. Maria Magdalena oder Susanna oder Johanna, sie streben nicht danach, die Apostel wegzustoßen und ihren Platz einzunehmen. Jeder lebt nach seiner oder ihrer Berufung und keiner kommt auf die Idee, sich minderwertiger als der andere zu fühlen. Das sollten wir uns heute zu Herzen nehmen in einer Zeit, in der der feministische Kardinalfehler droht, auch in der Kirche Fuß zu fassen: Frauen sind nicht erst dann etwas wert, wenn sie zu Quasi-Männern werden und die Aufgaben oder die „Macht“ der mächtigsten Männer bekommen. Frauen sind schon längst alles wert. Und wenn sie anfangen, sich mit ihrer eigenen Berufung auseinanderzusetzen, werden sie nicht mehr kämpfen um eine Sache, die sie nicht glücklicher machen wird.

Heute hören wir davon, dass jeder Mensch denselben Sinn im Leben hat, auch wenn sich dieser ganz unterschiedlich konkret ausfaltet – jeder ist zur Heiligkeit berufen, um an der Liebesgemeinschaft Gottes teilzuhaben. Deshalb soll auch der ganzen Welt das Evangelium verkündet werden, damit alle Menschen das erkennen und den Glauben an den einen wahren Gott annehmen. Wer sich taufen lässt und zur Familie Gottes gehört, hat nicht mehr die Vorteile der Gesellschaft in der Christengemeinde zu genießen, sondern alle sind gleich vor Gott. Alle müssen sich gleich vor Gott rechtfertigen, alle müssen dieselben Gebote halten aus Liebe zu ihm. Und wenn wir sterben, können wir uns nicht vor dem Gericht drücken. Gott wird dann keine Ausnahme machen, nur weil wir zu irdischen Lebzeiten die Millionen geknackt haben. Da wird er umso genauer draufschauen und prüfen, wie groß unsere Anhänglichkeit gewesen ist. Umso besser, wenn wir uns bei unserem Reichtum fragen, wie wir damit zum Aufbau des Reiches Gottes beitragen können, so wie es die reichen Frauen im Jüngerkreis Christi getan haben.

Ihre Magstrauss

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