Montag der 25. Woche im Jahreskreis

Esra 1,1-6; Ps 126,1-2b.2c-3.4-5.6; Lk 8,16-18

Esra 1
1 Im ersten Jahr des Königs Kyrus von Persien sollte sich erfüllen, was der HERR durch Jeremia gesprochen hatte. Darum erweckte der HERR den Geist des Königs Kyrus von Persien und Kyrus ließ in seinem ganzen Reich mündlich und schriftlich den Befehl verkünden:

2 So spricht Kyrus, der König von Persien: Der HERR, der Gott des Himmels, hat mir alle Reiche der Erde verliehen. Er selbst hat mir aufgetragen, ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu bauen.
3 Jeder unter euch, der zu seinem Volk gehört – sein Gott sei mit ihm -, der soll hinaufziehen nach Jerusalem in Juda und das Haus des HERRN, des Gottes Israels, aufbauen; denn er ist der Gott, der in Jerusalem wohnt.
4 Und jeden, der irgendwo übrig geblieben ist, sollen die Leute des Ortes, in dem er ansässig war, unterstützen mit Silber und Gold, mit beweglicher Habe und Vieh, neben den freiwilligen Gaben für das Haus Gottes in Jerusalem.
5 Die Familienoberhäupter von Juda und Benjamin sowie die Priester und Leviten, kurz alle, deren Geist Gott erweckte, machten sich auf den Weg, um hinaufzuziehen und das Haus des HERRN in Jerusalem zu bauen.
6 Alle ihre Nachbarn unterstützten sie mit Silbergeräten, mit Gold, mit beweglicher Habe und mit Vieh sowie mit wertvollen Dingen, abgesehen von dem, was jeder für den Tempel spendete.

Heute hören wir die Lesung aus dem Buch Esra. Esra ist Priester aus Aarons Geschlecht, arbeitet beim persischen König sozusagen als „Staatssekretär“ in der Zeit nach dem Babylonischen Exil und wird dann nach Jerusalem geschickt, um der Jerusalemer Gemeinde beim Wiederaufbau und bei der Ordnung zu helfen.
Heute hören wir davon, wie König Kyrus ihn und weitere in Babylon lebende Juden per Dekret nach Jerusalem entsendet. Kyrus möchte sogar einen neuen Tempel für die Juden bauen, was ihm im Nachgang den Ruf einer messianischen Heilsgestalt verleiht. Gott bemächtigt sich hier eines Nichtjuden, um die Juden zu retten.
Er erlaubt nicht nur auserwählten Juden, sondern allen, die zum Volk Israel gehören (die Deportierten stammen ja aus dem Südreich Juda, sind also aus dem Stamm Juda, Benjamin und Levi), erlaubt er die Rückkehr in die Heimat. Sie sollen den Tempel aufbauen. Damit sie die Mittel haben, diese Reise anzutreten, oder weil manche zurückbleiben, sollen diese durch die Bevölkerung ehemals Babylons finanziell unterstützt werden. Im Nebensatz wird auch erwähnt, dass diese den Tempelbau unterstützen sollen, allerdings freiwillig. Das erstaunt sehr angesichts der Tatsache, dass die Juden zuvor als Exilierte behandelt wurden. Nun wird ihnen sogar der Tempel finanziert!
Die Stämme des Südreichs Juda sind von Gottes Geist erweckt. Das ist eine bemerkenswerte Formulierung, die uns innehalten lässt: Das Volk Israel ist mit Gott eine Bundesbeziehung eingegangen. Mit diesem Bundesschluss ist noch keine umfassende Geistsendung verbunden, wie es im Neuen Bund am Pfingsttag geschehen wird. Jedoch erfahren wir in den Schriften des Alten Testaments immer wieder, dass einzelne Personen vom Geist Gottes erfüllt werden. Das betrifft vor allem die Propheten. Wenn König Kyrus, den wir selbst begreifen als einen Nichtjuden, der von Gottes Geist erfüllt diese politischen Entscheidungen trifft, nun also sagt, dass die Stämme Juda, Benjamin und Levi von Gottes Geist erweckt wurden, dann sagt das einerseits aus, dass Gott diese Stämme etabliert hat. Andererseits erkennen wir, dass Kyrus unter dem Einfluss des Hl. Geistes schon etwas Zukünftiges vorwegnimmt, was ihm selbst wohl gar nicht bewusst ist: Gottes Geist wird in Zukunft Menschen erwecken. Wir sehen hier schon eine Andeutung der Taufe und mit ihr die Neugeburt aus dem Hl. Geist. So wie sich die geisterweckten Stämme des Südreichs Juda auf den Weg machen, hinaufziehen nach Jerusalem, um den neuen Tempel zu bauen, so wird es geschehen mit den „Stämmen“ des Neuen Bundes: Wir sind unterwegs, das pilgernde Gottesvolk, wie es das Zweite Vaticanum formuliert. Wir ziehen hinauf nach Jerusalem in seiner vielfachen Bedeutung als Ort der Gegenwart Gottes im Allerheiligsten, als inneren Tempel im Menschen, als Ziel nach diesem irdischen Dasein. Dabei sind wir unterwegs, den Tempel aufzubauen, dessen Fundament Christus selbst ist. Wir sind die lebendigen Steine, wie es Petrus in seinem ersten Brief schreibt. Und als diese werden wir zusammengesetzt von Christus, dem Baumeister.
Esra wird eine bedeutende Aufgabe erhalten, denn die Gemeinde in Jerusalem muss sich neu orientieren. Der Schock des Exils sitzt ihnen immer noch tief in den Knochen. Nun ist es eine schwierige Aufgabe, diesen Neuanfang zu begehen.
Im Anschluss an das Dekret des Königs Kyrus unterstützen die einheimischen Nachbarn die Exilierten tatsächlich mit Gold und Silber, Vieh und beweglicher Habe zusätzlich zu der Spende für den Tempel. Das ist wirklich ein Wunder, wenn man bedenkt, wie zuvor die Babylonier die Juden behandelt haben. Was hier geschieht, ist ein Zeugnis für das Wirken Gottes.

Ps 126
1 Ein Wallfahrtslied. Als der HERR das Geschick Zions wendete, da waren wir wie Träumende.
2 Da füllte sich unser Mund mit Lachen und unsere Zunge mit Jubel. Da sagte man unter den Völkern: Groß hat der HERR an ihnen gehandelt!
3 Ja, groß hat der HERR an uns gehandelt. Da waren wir voll Freude.
4 Wende doch, HERR, unser Geschick wie die Bäche im Südland!
5 Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.
6 Sie gehen, ja gehen und weinen und tragen zur Aussaat den Samen. Sie kommen, ja kommen mit Jubel und bringen ihre Garben.

Als Antwort auf die Lesung beten wir einen Wallfahrtspsalm. Er thematisiert u.a. den Beistand und die Rettung Gottes aus der Not. Es passt ideal zur Lesung, denn der Unterdrückung weicht die Unterstützung.
Das „Geschick Zions“, das sich gewendet hat, ist die Not Israels, aus der Gott sein Volk geführt hat. Dies ist besonders eindrücklich mit dem Auszug aus Ägypten deutlich geworden sowie mit der Rückführung der Deportierten aus dem Babylonischen Exil zurück in die Heimat.
Die Leidenden, die endlich das Ende ihrer langen Leidensgeschichte schauen dürfen, sind wie Träumende, weil es kaum zu fassen ist. Kann diese unglaubliche Wende wirklich wahr sein?
Gottes Heilstaten erfüllen das Volk mit Lachen und Jubel. Gott ist es, der den Menschen wirklich glücklich machen kann. Freude ist eine Frucht des Hl. Geistes. Sogar die umliegenden Völker müssen zugeben, dass JHWH allmächtig ist. Ein persischer König ist bereit, ihnen einen neuen Tempel zu schenken! Das Singen von Wallfahrtspsalmen wie diesem wird wieder Realität! Es wird wieder Wallfahrten geben!
Wir dürfen diese Worte auch auf alle Getauften beziehen, die durch das Sakrament der Taufe aus dem Exil ihres Lebens die Chance auf die Rückkehr ins Paradies erhalten haben. Nach so langer Zeit ist der Menschheit wieder die Hoffnung geschenkt worden, nach dem Tod bei Gott sein zu dürfen. Auf besondere Weise sind die Apostel wie Träumende, als sie Jesus den Auferstandenen in ihrer Mitte erkennen. Wie sehr muss es sie mit Freude und Jubel erfüllt haben, dass Jesus, dessen Tod sie so schmerzlich betrauert haben, lebt! Und auch wir, die wir Jesus in der Eucharistie schauen dürfen, sind wie Träumende. Ist das wirklich wahr, dass Gott sich so klein macht, dass wir ihn in einer Hostie sehen und ihn in uns aufnehmen dürfen? Das muss doch ein Traum sein, so schön ist das!
Doch es ist noch nicht der Himmel. Das Leiden geht weiter. Wir waren voll Freude, doch dann kommt der Alltag mit den Sorgen und Problemen, vor allem mit den Anfechtungen. Die Anfangseuphorie der Taufe verschwindet sehr schnell, wenn es um das nackte Überleben der Seele geht. Und dann ruft der Mensch nach Gottes Gnade und Beistand. Möge er doch wie damals das Geschick des Menschen wenden, denn dieses Leben bringt auch weiterhin Tränen. Das betrifft Israel, das ins verheißene Land kommt und allerlei Schwierigkeiten hat, sich zu etablieren. Das betrifft Israel auch nach der Rückkehr aus dem Exil. Wie schwer war es doch für die Israeliten, den Tempel wieder aufzubauen, die Städte wieder bewohnbar zu machen und wieder Erträge auf den Feldern zu erzielen! Der Weg dorthin war sehr steinig und das betrifft auch die Jünger Jesu. Nicht lange nach dem freudigen Pfingstereignis kamen die ersten Widerstände, als Petrus und Johannes im Tempel einen Mann geheilt haben. Sofort mussten die Apostel mit Verfolgungen und Angriffen, Feindseligkeiten und Verleumdungen umgehen. Für sie war das ganze restliche Leben ein steiniger Weg. Wie viele Tränen haben sie vergossen! Und auch für jeden Getauften bis heute ist es ein einziger Kreuzweg. Niemand hat gesagt, dass mit der Taufe alles himmlisch auf Erden ist. Dann beginnt der steinige und steile Anstieg zum Himmelreich erst so richtig! Wie sehr wird der Christ versucht, angegriffen, angefeindet von anderen Menschen, verleumdet sogar von den eigenen Familienmitgliedern und Freunden. Dieses Leben ist ein einziges Tal der Tränen, solange Gottlosigkeit herrscht. Doch wir leben in der Sehnsucht nach dem Ende der Zeiten, bei dem Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird. Wir leben auch auf die Ewigkeit hin, die uns nach unserem irdischen Tod erwartet. Dann wird Gott die Tränen abwischen und ewige Freude schenken.

Lk 8
16 Niemand zündet eine Leuchte an und deckt sie mit einem Gefäß zu oder stellt sie unter ein Bett, sondern man stellt sie auf den Leuchter, damit jene, die eintreten, das Licht sehen.

17 Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar wird, und nichts Geheimes, das nicht bekannt wird und an den Tag kommt.
18 Achtet darauf, genau hinzuhören! Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er zu haben meint.

Heute erklärt Jesus im Evangelium anhand eines Bildes, wie das Hören funktioniert, das gehorsame auf ihn Hören.
Eine Leuchte deckt man nicht mit einem Gefäß zu oder stellt es unter das Bett. Ein Licht gehört auf den Leuchter. Ganz logisch. Wie ist das zum Gleichnis vom Sämann in Beziehung zu setzen, das wir zuletzt gehört haben und das im selben Kapitel des Lukasevangeliums erfolgt? Das Licht, das entzündet wird, ist ein anderes Bild für den Samen. Es ist das Wort Gottes, das dem Menschen verkündet wird. Der Vorgang des Entzündens ist diese Verkündigung. Was nun mit diesem Licht gemacht wird, sind die verschiedenen Böden, auf die der Same fällt. Das abdeckende Gefäß, von dem hier die Rede ist, löscht das Licht. Dieses Bild ist also vergleichbar mit dem Dornengestrüpp oder der sengenden Hitze der Sonne aus dem ersten Gleichnis. Stellt man es dagegen auf den Leuchter, leuchtet es allen im Haus. Mit diesem Gleichnis wird das rechte Hören noch weitergeführt. Es stellt eine Weiterentwicklung dar. Es geht nicht mehr nur darum, dass man das Wort Gottes in sich aufnimmt und es in sein eigenes Denken, Sprechen und Handeln übergeht, sondern dass man es auch weitergibt an andere! Das Licht soll auch anderen leuchten, sie wärmen, ihnen Hoffnung schenken. Gott entzündet uns nicht für uns selbst, sondern damit wir weitergeben. An anderer Stelle sagt Jesus „umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). Das Fließen der Gnade gerät ins Stocken, wo wir sie für uns behalten. Nur wenn wir weitergeben, wird uns noch mehr und noch mehr gegeben ohne Ende. Dies können wir auf das Buch Esra zurückführen: Gott hat den persischen König nicht für sich selbst mit dem Hl. Geist erfüllt, sondern damit er den deportierten Juden eine Leuchte sei. Er wurde begnadet, um Gnade weiterzuschenken. Als Werkzeug Gottes holt er die Traumatisierten aus ihrer Schockstarre und führt sie behutsam heran an ein Leben nach dem Exil.
Jesus begründet in Vers 17, dass nichts verborgen bleibe, dass alles ans Licht komme. Das ist in diesem Kontext weniger als Drohung gemeint, vielmehr als positive Konsequenz des Lichtes. Schließlich geht es um die Gnade Gottes, mit der man beschenkt wird – oder um es mit dem Sämann-Gleichnis zu sagen, das Wort Gottes, das in uns hineingesät wird. Es ist zu vergleichen mit dem Bild der Stadt auf dem Berg. Sie kann nicht verborgen bleiben (Mt 5,14). Wer durch die Gnade Gottes glänzt, die ins Herz eingepflanzt ist, kann nur auffallen. Je dunkler es um einen herum ist, desto heller erscheint das Licht auf dem Leuchter. Wir sollen dieses Licht auf dem Leuchter sein, das anderen Menschen strahlt. Wir sollen also zum Wort Gottes stehen, das heißt wir sollen zu Christus stehen. Nicht nur im Kämmerlein, sondern offen. Wir sollen nicht so feige sein, in einer Gruppe zu schweigen, wenn Jesus gelästert wird. Dann sollen wir mutig sein und für ihn einstehen. Wenn wir sehen, dass alle um uns herum gegen die Gebote verstoßen, die Liebe nicht leben, dann sollen wir nicht mitziehen, sondern dennoch zu Christus stehen. Das wird auffallen und zwar nicht immer nur positiv. Es wird viel gesellschaftlichen Druck geben, Druck von Freunden, von Familie. Aber es wird auch Menschen geben, die es berührt und die dadurch wiederum zum Glauben kommen. Wir entzünden Menschen also nicht nur durchs Predigen – und es gibt wirklich viele, die alle Menschen durch langes Einreden und mit hundert Bibelstellen bekehren wollen, am besten noch heute. Es ist wichtig, das Evangelium zu verkünden, aber das Entscheidende, das Menschen zum Glauben bringt, ist das gelebte Evangelium. Wir sehen es an Christus. Aus ganz Israel reisen die Menschen zu ihm wegen der Dinge, die er GETAN hat. Durch unser Verhalten geben wir das stärkste Zeugnis, das die anderen Menschen „entzündet“ und den „Samen Gottes ausstreut“. Wenn sie dann nachfragen, ist es an der Zeit, darüber zu sprechen.
Dann erfolgt wieder das oft formulierte Wort „Wer Ohren hat, der höre“ oder wie es bei Lukas formuliert wird: Achtet darauf, genau hinzuhören! Es ist ein Hinhören und ein auf ihn Hören, das das gehorsame Befolgen des Willens Gottes mit einschließt. Es bekräftigt den vorherigen Vers. Wir sollen das Gehörte wirklich beachten im Sinne von befolgen. Wir sollen es vor Augen haben.
„Wer hat“ meint in diesem Kontext dann „wer den Samen/das Licht hat“. Wer sich entzünden ließ und das Licht auf den Leuchter stellte, wer den Samen in sich aufgenommen hat, wachsen ließ und Früchte trug, bekommt noch mehr. „Wer aber nicht hat“, das heißt kein Licht und keinen Samen, also das Gefäß darüberstülpte, den Samen verdorren/absterben ließ, dem wird auch noch weggenommen was er hat. Was kann er denn noch haben, wenn er beides verstreichen ließ? Den Zugang zum Gnadenstrom. Dieser stoppt, wo man einen Damm baut. Die Seele ist kein reißender Fluss mehr, sondern wird zu einem Stausee, dessen Wasser verfault und stinkt, weil es abgestanden ist. Es fließt keine Gnade mehr – und ich wiederhole, was ich oben gesagt habe: nicht wegen Gottes Begrenztheit, sondern weil man selbst den Staudamm errichtet hat.

Nehmen wir diese Worte mit in die neue Woche. Erinnern wir uns neu daran, dass wir durch die Taufe und Firmung Entzündete sind, die auf den Leuchter gehören. Realisieren wir aufs Neue, dass unsere Gaben nicht uns gehören, sondern wir damit anderen Menschen leuchten sollen. Umsonst haben wir empfangen, umsonst sollen wir geben. Fragen wir uns heute wieder: Was ist meine Berufung. Wem soll ich heute ganz konkret eine Leuchte sein?

Ihre Magstrauss

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