Samstag der 2. Woche im Jahreskreis

2 Sam 1,1-4.11-12.17.19.23-27; Ps 80,2 u. 3bc.4-5.6-7; Mk 3,20-21

2 Sam 1
1 Als David nach dem Tod Sauls von seinem Sieg über die Amalekiter zurückgekehrt war und sich zwei Tage lang in Ziklag aufgehalten hatte, 2 kam am dritten Tag ein Mann aus dem Lager Sauls, mit zerrissenen Kleidern und Staub auf dem Haupt. Als er bei David angelangt war, warf er sich auf den Boden nieder und huldigte ihm.

3 David fragte ihn: Woher kommst du? Er antwortete ihm: Ich habe mich aus dem Lager Israels gerettet.
4 David sagte zu ihm: Wie stehen die Dinge? Berichte mir! Er erwiderte: Das Volk ist aus dem Kampf geflohen, viele von den Männern sind gefallen und umgekommen; auch Saul und sein Sohn Jonatan sind tot.
11 Da fasste David sein Gewand und zerriss es und mit ihm alle Männer um ihn.

12 Sie klagten, weinten und fasteten bis zum Abend wegen Saul, seines Sohnes Jonatan, des Volkes des HERRN und des Hauses Israel, die unter dem Schwert gefallen waren.
17 Und David sang die folgende Totenklage auf Saul und seinen Sohn Jonatan;
19 Israel, dein Stolz liegt erschlagen auf deinen Höhen. / Ach, die Helden sind gefallen!
23 Saul und Jonatan, die Geliebten und Teuren, / im Leben und Tod sind sie nicht getrennt. / Sie waren schneller als Adler, / waren stärker als Löwen.

24 Ihr Töchter Israels, weint um Saul; / er hat euch in köstlichen Purpur gekleidet, / hat goldenen Schmuck auf eure Gewänder geheftet.
25 Ach, die Helden sind gefallen mitten im Kampf. / Jonatan liegt erschlagen auf deinen Höhen.
26 Weh ist mir um dich, mein Bruder Jonatan. / Du warst mir sehr lieb. / Wunderbarer war deine Liebe für mich / als die Liebe der Frauen.
27 Ach, die Helden sind gefallen, / die Waffen des Kampfes verloren.

Heute hören wir den Beginn des zweiten Samuelbuchs. Es beginnt die „Ära David“, nachdem am Ende des ersten Samuelbuchs Saul einen tragischen Tod fand. Er stürzte sich selbst ins Schwert, damit die Philister ihn nicht umbringen konnten. Dennoch trieben diese ihr Unwesen mit ihm, indem sie ihm den Kopf durchtrennten und an die Mauer von Bet Schean hefteten. Seine Rüstung wurde der Astarte „geweiht“. Seine Söhne und sein Waffenträger kamen ebenfalls ums Leben. Schließlich fanden seine Leute die Leichname, verbrannten ihn, bestatteten ihn und fasteten eine Woche lang.
Was wir heute als Lesung hören, ist ein Trauerlied Davids, als er von der grausamen Nachricht hört. Er erfährt nicht sofort vom Tod Sauls und auch seines Freundes Jonatan, sondern erst, nachdem ein Überlebender am dritten Tag bei ihm eintrifft. Er sieht sofort, dass etwas passiert ist, weil er zerrissene Kleider und Staub auf dem Kopf hat. Das sind Anzeichen für eine Trauerreaktion. Als David dann von der Tragödie erfährt, zerreißt auch er sein Gewand als Zeichen der Trauer. Er trauert und fastet für jene, die umgekommen sind. Ganz in seinem Stil verleiht er seiner Trauer durch ein Trauerlied Ausdruck. Die Worte erstaunen uns, weil er selbst nach dem Tod über Saul sehr positiv spricht. Dieser hat ihm mehrfach nach dem Leben getrachtet und war stets eifersüchtig auf ihn. Und doch spricht David ihn als „Geliebten und Teuren“ an wie seinen Seelenverwandten Jonatan. Vater und Sohn sind zusammen in den Tod gegangen, über die er nur positive Worte findet: Er umschreibt ihre Vorzüge mit denen eines Adlers und Löwen. Sauls Regierungsstil soll den Israeliten gut in Erinnerung bleiben, da er sie durch seine Herrschaft gut einkleiden konnte, es also zu einem Wohlstand im Lande gebracht hat.
Besonders beklagt David den Tod seines Freundes, dessen Liebe ihm lieber war als die zu einer Frau. Das hat nichts mit Homosexualität zu tun, wie einige Exegeten behaupten. Es ist eine Form der Liebe, die tiefer geht als die romantische Form. David und Jonatan waren Seelenverwandte, eine Verbindung freundschaftlicher Liebe, gegenseitiger Unterstützung und unerschütterlicher Loyalität. Wir hörten die Tage davon, wie Jonatan bei seinem Vater für David einstand, sodass dieser ihn nicht mehr töten wollte. Er warnte David immer wieder vor lebensbedrohlichen Situationen.
Wie so oft begleiten uns Leidenserfahrungen im Leben. So wie David dürfen wir unserer Trauer Ausdruck verleihen und unseren Schmerz vor den Herrn tragen.

Ps 80
2 Du Hirte Israels, höre, der du auf den Kerubim thronst, erscheine.
3 Wecke deine gewaltige Kraft und komm zu unserer Rettung!
4 Gott, stelle uns wieder her! Lass dein Angesicht leuchten und wir sind gerettet!
5 HERR, Gott der Heerscharen, wie lange noch raucht dein Zorn trotz des Bittgebets deines Volks?
6 Du hast sie gespeist mit Tränenbrot, sie überreich getränkt mit Tränen.
7 Du machst uns zum Zankapfel unserer Nachbarn und unsere Feinde verspotten uns.

Als Antwort beten wir Psalm 80, der durch und durch von der Messiassehnsucht durchtränkt ist. Es ist ein einziger Ruf nach Gottes Kommen. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Asafpsalm, also ein Lied, das von einem levitischen Sänger zurzeit Davids namens Asaf gedichtet worden ist. Dieser sehr adventliche Psalm passt als Antwort auf die Trauer Davids sehr gut, denn auch in der Situation der großen Niederlage Israels bittet dieser um Gottes Eingreifen. Man sieht die drängende Sprache anhand der vielen Imperative wie „höre“, „erscheine“, „wecke“, „kehre doch zurück“, „blicke herab“, „sieh“, „sorge“ etc. Die Menschen schreien zu allen Zeiten nach Gott und dieser erhört sie. Er rettet sie aus allen möglichen Situationen und hat schließlich seinen Sohn gesandt. Er hört, er blickt herab und sieht. Er erschien als kleines Kind in einem Stall, er sorgte wie ein Hirte für seine Herde und sagte über sich „ich bin der gute Hirte“ und „ich bin der Weinstock“. Wir beten diesen Psalm aus der Perspektive der bereits Erlösten und zugleich mit Blick auf sein zweites Kommen. So beten auch wir „kehre doch zurück“ und „komm zu unserer Rettung“. Wir sind ja so wie die Israeliten in einer adventlichen Situation zwischen Himmelfahrt und Wiederkunft Christi.
Inmitten der „Trümmer“ bittet auch König David um Wiederherstellung. Es geht nicht einfach nur darum, sich militärisch zu erholen und wieder ein großes Heer aufzubauen, sondern in erster Linie um innere Aufrichtung und Tröstung. Gottes Angesicht ist entscheidend: Das Sprichwort „An Gottes Segen ist alles gelegen“ ist absolut wesentlich. Er ist es, der uns wirklich retten kann aus allen Nöten. Er vermag alles und ermutigt uns dazu, mit allem zu ihm zu kommen. Jesus sagt: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich werde euch erquicken. Gottes Angesicht – und das müssen wir der poetischen Gattung von Psalmen zuordnen – ist uns immer zugewandt. Wir Menschen sind es, die sich von ihm abwenden und seine Abwesenheit dann schmerzhaft zu spüren bekommen. Doch David tut genau das Richtige: In seiner Trauer wendet er sein Angesicht Gott zu, indem er das obige Trauerlied anstimmt. Immer wieder bittet Israel um Wiederherstellung. Gott ist es, der uns wieder aufrichtet und erneuert durch seinen hl. Geist. Diese Bitte ist auch eine umfassende heilsgeschichtliche Bitte: Gott möge den Menschen wiederherstellen, der durch den Sündenfall auseinandergebrochen ist. Er tut das mit der Erlösung, die uns durch die Taufe zuteilwird. Er möge die ganze Schöpfung wiederherstellen, die zerrüttet ist. Das tut er am Ende der Zeiten auf besondere Weise, wenn er einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft. Er stellt uns moralisch wieder her, wenn wir gesündigt haben. Das schenkt er uns in der Beichte.
Gott wird mit dem Titel Zebaoth, was hinter „der Heerscharen“ steckt, angesprochen. Es ist ein Begriff für das himmlische Heer der Engel und wirkt sehr militärisch. Er ist passend im Kontext der Lesung. „Wie lange noch“ ist eine typische Wendung im Kontext von Klagepsalmen. Es bringt zum Ausdruck, dass die Psalmenbeter davon überzeugt sind, dass Gott das Leiden nur bis zu einem bestimmten Punkt zulässt, Leiden immer zeitlich begrenzt ist – im Gegensatz zur Ewigkeit des Heils.
Die Klage wird noch weiter ausgeführt, indem bildhaft vom Tränenbrot und Tränentrank gesprochen wird. Was Gott zugelassen hat – wir schauen auf die Lesung und beziehen es auf die große Niederlage gegen die Philister – hat viele Leiden gebracht. Wir können uns lebendig vorstellen, wie laut das Trauergeschrei an jenem Tag war, als die Masse der Gefallenen, insbesondere der Königlichen, bekannt geworden ist – eine Flut von Tränen! Doch das „wie lange noch“ klingt nach. Die Beter des Psalms wissen zugleich, dass Gott am Ende die Tränen von ihren Augen abwischen wird. Er ist unser Tröster. Er wird das Trauergewand in ein Hochzeitsgewand verwandeln und die Trauer in Freude.
Israel ist wahrlich zum Zankapfel geworden, weil die feindlichen Völker um Israel herum in den Krieg gezogen sind, es zu erobern. Immer wieder macht Israel die Erfahrung, dass die Völker sich darum streiten, wer als nächstes die Fremdherrschaft übernehmen kann. Die Fremdherrscher lösen sich im Laufe der Geschichte Israels ab – Assyrer, Babylonier, Perser, Griechen, Römer. Dies ist verständlicherweise der Anlass zum Spott geworden. Man kannte Israel auch schon anders – nämlich als Volk des großen Gottes, der es aus Ägypten herausgeführt hat.
Auch wir machen oft die Erfahrung, dass ein Leiden nach dem andern sich aneinanderreiht und wir dem Herrn entgegenschreien: Wie lange noch? Doch nicht umsonst heißt es: Wundere dich nicht, wenn der Herr in schwierigen Zeiten zu schweigen scheint. Auch der Lehrer schweigt während einer Prüfung!

Mk 3
20 Jesus ging in ein Haus und wieder kamen so viele Menschen zusammen, dass sie nicht einmal mehr essen konnten.

21 Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.

Im heutigen sehr kurzen Evangelium geht es darum, dass Jesus sehr viel zu tun hat und große Menschenmassen sich um ihn sammeln. Es ist so voll, „dass sie nicht einmal mehr essen konnten.“ Das zeigt uns, wie sehr die Menschen ihre ganze Hoffnung auf Christus setzen. Sie kommen von überall her, weil sie Heilung von ihm ersehnen. Sie hören von seinen vielen Wundern und viele von ihnen begreifen, dass sich mit Christus die messianischen Verheißungen erfüllen. Sie kommen, weil sie ihn sehen wollen.
Mitten in diese Szene hinein kommen Jesu Angehörige. Sie wollen ihn mit Gewalt zurückholen. Das heißt, sie wollen ihn zurück nach Hause bringen, nach Nazaret, wo die ganze Verwandtschaft lebt. Sie halten ihn wohl auch für verrückt, denn es heißt hier: „Er ist von Sinnen.“ Von so weit her „pilgern“ fremde Menschen gleichsam zu Christus, den sie als Messias erkannt haben, doch die eigenen Verwandten erkennen in ihm nur einen „Bruder“, der den Schuss nicht gehört hat. Sie wollen ihm beibringen: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“ Was bildet sich dieser Zimmermann ein, hier den Rabbi zu spielen? Sie sehen nur den Menschen Jesus und erkennen seine Gottheit nicht.
Einige Kirchenväter sagen, dass die Verwandten so reagieren, weil die ganze übernatürliche Vorgeschichte – die besondere Schwangerschaft Mariens, die übernatürliche Geburt etc. – vor ihnen bewusst verschwiegen wurde. Erst später, als sie davon erfahren, kommen sie zum Glauben an Christus.
Entscheidend ist: Sie erkennen seine messianische Identität nicht, weshalb sie meinen, er sei verwirrt oder habe den Verstand verloren (das griechische Wort ist an dieser Stelle ἐξίστημι existemi). Christus aber weiß genau, was er tut. Er ist weder verwirrt noch irre. Er ist der Sohn Gottes und nun ist seine Zeit gekommen, nachdem er viele Jahre im Verborgenen gelebt hat. Von Anfang an ist dieses Wirken mit Leiden und Hindernissen verbunden. Und auch in unserem Leben bringen wir reiche Frucht nie ohne leidvolle Erfahrungen. Die heutigen Lesungen sind geprägt von blankem Realismus. Das gehört zum Leben dazu und doch wissen wir bei allem: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes.

Ihre Magstrauss

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